Kürzlich ist
die erste Deaf Forever erschienen, es wurden die 50 besten deutschen
Metalplatten seit der letzten Jahrtausendwende auserwählt. Alles recht
geschmackssicher, aber es wurde „Sól“ von Helrunar in der Top 50 vollkommen
vergessen.
Helrunar werden oft unter der Schublade Pagan Metal abgestempelt- weit
gefehlt! Die Band erzeugt Kunst, die kalten rasenden Black Metal mit
romantischen Bildern eines verregneten Herbstwaldes verbindet.
Genau diese
karge Romantik fand ich auf dem bisherigen besten Werk von Helrunar, dem
zweiteiligen Album Sól. Dabei handelt es sich um ein Konzeptalbum, das dich in
1 ½ Stunden auf ein Trip mitnimmt.
Die Texte sind multidimensional, lassen sich
aus unterschiedlichsten Perspektiven interpretieren. Sie sind lyrisch wertvoll,
erstaunen mich, wirken intellektuell und philosophisch. Diese fehlende
Klischeebedingung machen Helrunar so unglaublich einzigartig und interessant.
Musikalisch
ist jeder Song meisterhaft. Das Album sollte meiner Meinung nach am ganzen
Stück gehört werden um zu erkennen wie sie Lieder miteinander verwoben haben.
Alter
norwegischer Black Metal wie Taake oder früher Ulver lassen sich in Punkte wie Raserei und Kälte als
Referenzmusiker herbeiziehen. Die Gitarrenläufe haben einen typischen kalten
kraftvollen Sound.
Marcel Dreckmanns Gesang ist unglaublich fies. Zu diesem
extremen Gesang bilden die Sampler eine erdrückende, beklemmende Atmosphäre. „Erst
als es zaghaft zu tauen begann, wurde das ganze Ausmaß der Verwüstung sichtbar.
Irgendetwas war eingeschlagen wie 50 Megatonnen auf Novaja Semlja…“. Nach
solchen Monologen wirken Songs wie „Aschevolk“ noch kraftvoller. In diesen Song
wirkte Blutaar von Drautran mit, der mit seinem sehr hohen Gekreische die
Katastrophe perfektioniert.
Das Drumming ist auf Sól kraftvoll abgemischt,
zeigt sich äußerst gut nachvollziehbar.
Manche Songs zeigen anfangs vollkommen
andere Gesichter, verändern sich dann zu etwas Unerwarteten. So ging es mir bei
"Die Mühle“. Der Song fängt schleppend, etwas unspektakulär an, nimmt aber
immer mehr an Fahrt auf und zeigt Riffs, die manch andere Bands vor Neid
erblassen lassen. Bei der Phrase „Die Müüühle“ stellen sich Haare zu Berge. Wie
Gitarrenmelodien miteinander verwebt werden, ist ganz großes Kino.
Hymnen sind
natürlich auch vorhanden.Mit Liedern wie das Titelstück mit den mehrfachenstimmigen tiefen Chorus oder
der „Nebelspinne“ sind gute Einsteiger für das Konzeptalbum vorhanden. Zum
genannten Titeltrack lässt sich erzählen, dass der tiefe Gesang sanft durch
eine akustische Gitarre unterbrochen wird, auf der dann ein gefühlsvolles Solo
folgt. Nach diesem Solo wirst auch du gereinigt sein, gereinigt von einer
Katharsis namens Sól von Helrunar.
Genre: Black Metal zum Nachdenken.
Wertung: Lief bei mir gefühlte hundert mal.
Label: Lupus Lounge
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